Evangelische Stiftskirche Stuttgart

Mitten im Leben

Beten

In diesen Tagen und Wochen ist es 500 Jahre her seit Martin Luthers epochalem Auftritt auf dem Reichstag zu Worms. Dort hatte er vor dem Kaiser und der gesamten Politprominenz seine Schriften verteidigt und sich dabei auf die Heilige Schrift berufen. 

Daraufhin wurde er von Kaiser Karl für vogelfrei erklärt und musste um sein Leben fürchten. Sein Landesherr, Friedrich der Weise, brachte ihn in einer spektakulären Aktion zum Schutz auf die Wartburg. Fast ein Jahr lang lebte er oben auf der Burg, in der Quarantäne seines Lebens, mit Ausgangsbeschränkungen und weiteren Einschränkungen, die schwer auf seiner Seele lasteten.

Eigentlich hatte er jetzt viel Zeit zum Beten und Lesen. Aber wie war es in den ersten Monaten wirklich?

„Ich vermochte nicht zu beten“, schrieb er später über diese Monate. Knoten schnürten ihm das Herz zu, Zweifel an sich selbst, an der Erlösung durch Jesus Christus, Zweifel an Gott hielten ihn gefangen.

„Ich sitze hier apathisch“, schreibt er an Melanchthon, „tue nichts, bete leider wenig, kümmere mich nicht um Gottes Kirche“. Schon acht Tage habe er weder geschrieben noch gebetet noch studiert.

Eben hatte er noch auf dem Reichstag das Licht des Evangeliums hochgehalten, nun war er in einem dunklen Loch - in jeder Hinsicht.

„Ich konnte nicht beten“, sagt Luther, aber andere haben das für ihn getan, andere haben ihn in die Fürbitten aufgenommen. Und so kehrte nach und nach die Kraft zum Gebet zurück und die Kraft zum Schreiben und zur Freude und Zuversicht am Leben, und es entstanden mit der Übersetzung des Neuen Testaments in wenigen Wochen die wohl fruchtbarsten Monate seines Lebens.

Wie sieht es mit unserem Beten aus? Ich selbst halte mich oft an Luthers Morgen- und Abendsegen, zwei Gebete, die meinen Tag rahmen.
Aber ich weiß, dass es auch andere gibt, die für einen beten. Und das tut gut. Die Stiftskirche ist ein Ort des täglichen Gebets. Manche Menschen hinterlassen uns ihre Gebetsanliegen auf Zetteln. Wir nehmen sie dann in die Fürbitte auf. Einmal im Monat laden wir zu einem Gebetsabend ein, zuletzt online. Der nächste Termin ist am Dienstag, 15. Juni, 19 Uhr, entweder online oder aber - wenn möglich - im Chor der Stiftskirche.

Sie sind herzlich dazu eingeladen!

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