Evangelische Stiftskirche Stuttgart

Mitten im Leben

Stephan und Judith Jaud im Portrait: Gezielte Suche und bewusstes Sich-Führen-Lassen

(06.01.2022) "Ich suchte in der Gemeinde ein Ehrenamt, das zu meinem beruflichen Engagement passt", sagt Stephan Jaud nach kurzem Rückbesinnen auf die Frage, wie es zu seinem Engagement für die Homepage der Stiftsgemeinde kam. Ein Ehrenamt also, das ihm nicht noch mehr Sitzungstermine bescherte, eines, das ihm freie Zeiteinteilung erlaubte und in das nach Möglichkeit seine Erfahrung in der Organisation großer Projekte einfließen konnte. Außerdem sollte es eine Tätigkeit sein, die er und seine Frau Judith gemeinsam angehen konnten. Judith Jaud, die gelernte Redakteurin und studierte Juristin, und Stephan Jaud, der IT-affine Organisationsspezialist – sie waren für die Stiftskirchengemeinde ein großes Geschenk, als Brigitte Müller-Pfeiffer 2014 die Betreuung der Homepage in neue Hände gab, die sie jahrelang im Ein-Frau-Betrieb in großer Zuverlässigkeit ausgeübt hatte.

Bei der Homepage stand eine Neugestaltung an, um den Komfort bei der Nutzung zu verbessern, und dies sollte mit einem stärkeren Anteil beweglicher Inhalte – jenseits von Gottesdienst- und Kirchenmusikterminen – verbunden werden. Jauds brachten alle Voraussetzungen für diese Aufgabe mit, die man sich nur wünschen kann – und dazu als klares Ziel die Vision einer lebendigen, durch viele Menschen getragenen Homepage.
Stephan Jaud sah seine Aufgabe in der Moderation des organisatorischen und technischen Prozesses und später in der Pflege der Inhalte. Auch wenn das Content Management System, auf dem die Homepage technisch aufbaut, Ergänzungen für eine bessere Bedienbarkeit erhielt, ist die Stifts-Homepage alles andere als ein intuitiv bedienbares System. Es gehört ganz schön viel Wissen und Können dazu, damit Texte und Bilder, Überschriften und Kalendereinträge hinterher so aussehen wie gewünscht. Stephan Jaud hat diese Aufgabe, nur während einer längeren Reise mit viel Einsatz und Sachverstand unterstützt von Kathrin Leipert, in großer Zuverlässigkeit und Dienstbereitschaft erledigt. Dass er, wenn man so mag, zugleich technischer Direktor und Sekretär unserer Homepage ist beziehungsweise war, wird nur wenigen in der Gemeinde bewusst sein. Höchste Zeit deshalb, dass wir seine Person und Arbeit würdigen, denn Stephan und Judith Jaud beendeten zum Jahresende 2021 ihre Mitarbeit an der Homepage. (Die Nachfolge für diese wichtige Aufgabe ist gesichert – das erzählen wir ein andermal.)

Hintergrunddienst also, unsichtbare Arbeit. Ob Hochsommer oder Heiligabend, wenn es wichtige Neuigkeiten gab, mussten diese möglichst schnell auf der Homepage eingearbeitet werden. Nach außen kaum zu sehende, aber für die Gemeinschaft ganz wichtige Arbeit im Hintergrund – das hat Stephan Jaud hier nicht zum ersten Mal gemacht. Der studierte Vermessungsingenieur, nach Zwischenstationen seit den späten 1980er Jahren im Innenministerium in Stuttgart tätig, war seit der Studienzeit dem Offenen Abend verbunden, in dem er, in seinen Worten, zu eigenem mündigem Glauben herangewachsen war. In den 1990er Jahren unterstützte er Heiner und Inge Digel, die damals die Leitung des Offenen Abends hatten, als Leitungsassistent. Später betreute er sieben Jahre lang panorama, die umfangreiche Mitarbeiterzeitschrift des Offenen Abends, die viermal im Jahr mit einer großen Zahl an Beiträgen verschiedener Menschen erschien. Dafür zu sorgen, dass auch komplexe organisatorische Prozesse gelingen, das ist das Metier des sportlichen Leitenden Ministerialrats, jetzt im Ruhestand, der zum Entspannen auch gerne mal wochenlang nur mit Fahrrad, Zelt und Schlafsack unterwegs ist. Nach seiner 15-monatigen Fortbildung an der Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg koordinierte Stephan Jaud in seinem weiteren Arbeitsleben komplexe Organisationsprojekte und leitete u.a. die Geschäftsstelle der großen baden-württembergischen Verwaltungsreform von 2003.

Wenn Stephan Jaud in den letzten Jahren das kaum sichtbare Herz und Rückgrat der Homepage war, so war Judith Jaud Auge, Seele und Ohr. Aus ihrem feinen Gespür für Menschen und für deren Geschichte entstanden die wunderbaren Portraits von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in den letzten Jahren auf der Homepage großer Beliebtheit erfreuten. (Zu finden sind sie gesammelt in der Rubrik „Menschen an der Stiftskirche“.) Und ganz ähnlich wie bei ihrem Mann Stephan im Technisch-Organisatorischen der Redaktion ist es höchste Zeit, dass wir mit Judith Jaud die Person vorstellen, die die Homepage in den letzten Jahren inhaltlich mitgetragen hat. Ihr verdanken wir, verdankt das für die Inhalte verantwortliche Homepage-Team des Kirchengemeinderats auch, dass Konzertberichte geplant – und geschrieben – wurden, dass besondere Ereignisse wie das Landesmusikfest oder der Wechsel in der Stuttgarter Prälatur auf der Homepage mit Ihnen allen geteilt wurden. Nicht alles schrieb sie selbst, aber immer war ihre freundliche beharrliche Präsenz eine wichtige Stütze, damit die Beiträge das Licht der Welt erblickten. Ihre große journalistische Erfahrung kam der Homepage nicht nur im Feinschliff der Texte zugute, sondern auch in ihrem Blick für die richtigen zeitlichen Abläufe und für die Wirkung der Texte. Wer also ist die Frau, die uns „Menschen an der Stiftskirche“ in den letzten Jahren auf so unnachahmliche Art nahegebracht hat und die mit ihrer Amtsbezeichnung Ministerialrätin im Innenministerium, zuständig für Melde- und Glücksspielrecht, nur ansatzweise charakterisiert ist?
Ägyptologie hätte sie gerne studiert, oder Theaterwissenschaft. Aber die Studien- und Berufsberater der geburtenstärksten Jahrgänge befürchteten eine „brotlose Kunst“ und rieten nach mehreren psychologischen Eignungstests zu Jura oder Psychologie. Also studierte Judith Jaud Jura. Die Liebe zu Kunst und Kultur hatte das Elternhaus ihr vermittelt; Klavier, Geige, Ballett und Theaterstücke waren ihre Welt, schon als Schülerin schrieb sie regelmäßig für den „Südkurier“ über das Kulturleben ihrer Heimatstadt Sigmaringen und konnte einige Rezensionen auch im Mantel-Feuilleton des Südkurier platzieren. Ihr Jurastudium an der Universität Konstanz absolvierte sie in Rekordzeit. Nach dem Zweiten Staatsexamen erfüllte sie sich jedoch einen Herzenswunsch und absolvierte bei „ihrer“ langjährigen Zeitung, dem in Konstanz erscheinenden Südkurier, das Volontariat für Tageszeitung und Radio. Von der Pike auf lernte sie die Kunst des Zeitungsmachens, von Setzerei und Bildredaktion bis zu Sport und Politik, aber auch, mit dem Mikrofon umzugehen, Interviews zu führen und im Tonstudio zu schneiden. Gekrönt wurden die zwei Jahre durch ein Europa-Stipendium, das ihr einen Monat in der Pressestelle des EU-Parlamentes in Brüssel bescherte. „Das Volontariat war die interessanteste berufliche Zeit meines Lebens“, erinnert sich die zierliche blonde Frau mit Begeisterung und leuchtenden Augen.

Dann, Ende 1992, der unerwartete Anruf aus Stuttgart. Ob sie stellvertretende Pressesprecherin des Innenministeriums werden wollte? In einem evangelischen Elternhaus und unter der Prägung des großmütterlichen Glaubens aufgewachsen, war dieses Angebot für die junge Frau mit der Doppelqualifikation ganz klar Gottes Führung. „Ich spürte, das war mein Weg, auch wenn ich nicht sah, wozu es gut sein sollte“, beschreibt sie im Rückblick diese tiefgreifende Entscheidung. Denn mit dem Amt einer Pressesprecherin war jegliche weitere journalistische Tätigkeit ausgeschlossen – die ministeriellen Richtlinien zur Vermeidung von Interessenkonflikten sind sehr klar und sehr konsequent. Zum beruflichen Wechsel kamen tiefgreifende private Veränderungen und eine längere Erkrankung, die den Wechsel nach Stuttgart zu einer umfassenden Zäsur im Leben der jungen Juristin und Journalistin machten. Dass ihr die gerade angetretene Stelle über ihre lange Krankheitszeit hinweg erhalten blieb, erfüllte sie mit einer tiefen Dankbarkeit ihrem neuen Arbeitgeber gegenüber. Und was sich an Kreativität und Menschenzugewandtheit nicht mehr im neuen Berufsbild ausdrücken konnte, gewann in anderem Engagement Gestalt: Sie setzte sich 18 Jahre lang im Personalrat des Innenministeriums für ein lebendiges, sportliches, kulturelles und soziales Miteinander der Kolleginnen und Kollegen ein und moderierte ungewöhnliche Personalversammlungen.

Neben dem Beruf hat sich Judith Jaud intensiv mit systemischer lösungsorientierter Arbeit befasst und nach sechsjähriger Ausbildungszeit (während der Urlaube und an Wochenenden) sowie einigen Jahren ehrenamtlichen Tuns ihre Coaching-Praxis eröffnet. Dass sie all dies unter einen Hut bekommt – sie trägt übrigens gerne und mit großer Eleganz Hut! – dafür sorgen ihre Disziplin und ihr hervorragendes Zeitmanagement. Im Homepageteam wird uns dies – aber nicht nur dies – schmerzlich fehlen. Ihr selbst wird aber auch etwas fehlen: „Die Arbeit an den Portraits erlaubte mir, unglaublich interessante Menschen an der Stiftskirche kennen lernen zu dürfen. Was für Juwelen zu diesem Gemeindeschatz gehören!“ sagt sie. Und meint es auch so.
Gemeinsam sind sie 2014 in das Ehrenamt eingestiegen, gemeinsam steigen sie nun auch wieder aus: Judith und Stephan Jaud haben sich auf Ende 2021 aus ihrer Arbeit für die Homepage der Stiftskirchengemeinde zurückgezogen. Hinter ihnen, hinter uns, liegen Jahre intensiver und, wie berichtet, weitgehend unsichtbarer ehrenamtlicher Arbeit an der und für die Homepage und damit für die Stiftskirchengemeinde.

2022 01 06 Jauds© privat

Liebe Judith und lieber Stephan,

für Eure große und zugleich sehr leise daherkommende Professionalität, für Eure Dienstbereitschaft und Geduld mit den manchmal sehr langen Reaktionszeiten von Pfarrer und Kirchengemeinderat, für Eure Hartnäckigkeit und Liebenswürdigkeit und für die Homepage, die Ihr wesentlich in den letzten Jahren möglich gemacht habt, sagen wir Euch aus tiefstem Herzen Dank!

Auch die Erfinderin der wunderbaren Fragen in den Portraits bekommt gemeinsam mit ihrem Mann natürlich einige Fragen zum Abschluss:

Sylt oder Mallorca?
Das eine möglichst jedes Jahr, das andere eher selten.

Rehrücken oder veganes Gulasch?
Beides. Wir kochen abwechselnd und essen wenig, dann aber gutes Fleisch.

Rennrad oder SUV?
Kein SUV. Aber (etwas verlegen lächelnd, dann einander verschwörerisch zulachend und gleichzeitig die Mobiltelefone zückend) ja, wir sind gerne schnell unterwegs, und das muss nicht mit dem Rennrad oder Auto sein. Zum Beispiel hier…. Sie zeigen eine rasante, von einer Helmkamera aufgenommene bis zu 80 km/h schnelle Fahrt an einer Zip-Line, die die beiden in ihrem Urlaub im Herbst 2021 im Harz unternommen haben.

Tee oder Kaffee?
Nach dem Mittag ein Tässchen Kaffee, sonst Tee – und für den Ayurveda-Fan Judith auch gerne heißes Wasser…

Bach oder Bayreuth?
Im August Bayreuth, von September bis Juli Bach. Für Stephan zwischendurch gerne auch Jazz. Und Ballett geht immer, sagt Judith. (Stephan geht nicht immer mit. Aber oft.)

Stille Einkehrtage oder Kulturreise?
Erst das eine, dann das andere. Oder doch besser umgekehrt?

Wellnesswoche Sils Maria oder Bad Wörishofen?
Auch hier: immer hübsch abwechselnd, nie beides zeitgleich!

Walzer oder Salsa?
Nix „oder“ – und! Und Rumba, Cha-Cha-Cha, Slow-Fox, Foxtrott, Disco-Fox, Jive, Tango und überhaupt.

Jörg Geiger Rosenzauber oder Trollinger?
Chardonnay oder – je, nach der Art des Essens – Sauvignon Blanc; und gerne zu dunkler Schokolade Bordeaux und im Sommer Grauer Burgunder oder Riesling. Ja – Riesling! Zum frischen Fisch aus dem Bodensee aber gerne auch einen Meersburger Müller-Thurgau.

Gemeindebrief

Den aktuellen Gemeindebrief der Stiftsgemeinde Stuttgart ansehen oder herunterladen (PDF-Datei).
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