Evangelische Stiftskirche Stuttgart

Mitten im Leben

Unterwegs auf den Spuren der Reformation im Dreiländereck

Gemeindereise der Stiftsgemeinde Stuttgart  22.09.2022 – 25.09.2022 

Frohgelaunt starteten wir mit 40 Teilnehmern zu unserer Gemeindereise „Unterwegs auf den Spuren der Reformation im Dreiländereck“. Unser erstes Reiseziel war Colmar, eine Stadt im Elsass in Nordostfrankreich. Das Altstadtbild ist von Kopfsteinpflasterstraßen und Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter und der Renaissance geprägt. Am zentralen „Place de la Cathédral“ steht das gotische Martinsmünster aus dem 13. Jahrhundert. Colmar hat über 70 000 Einwohner.
Um 14:00 Uhr waren wir zu einer Führung im Musée Unterlinden, einem Kunstmuseum, angemeldet. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Klostergebäude, dem Unter den Linden Kloster. Das ehemalige Dominikaner-Kloster stammt ebenso aus dem 13. Jahrhundert. Begeisterung erweckte vor allem der Isenheimer Altar, ein Wandelaltar aus dem Antoniter-Kloster in Isenheim im Oberelsass. Der Bildschnitzer Niklaus von Hagenau und der Maler Grünewald haben dieses Kunstwerk zwischen 1512 und 1516 geschaffen.
Das Museum zeigt aber auch eine große Sammlung vom sogenannten Neolithikum - der Jungsteinzeit - bis zur Gegenwart. Die dort ausgestellte Sakralkunst, wie der Isenheimer Altar, stammt aus dem Mittelalter bis hin zur Renaissance. Das Museum hat uns einen tollen Einblick in die Kultur der Stadt gegeben.
Bei strahlendem Sonnenschein sammelten wir uns nach der Museumsführung zur anschließenden Stadtführung. Wir erfuhren viel Wissenswertes über die drittgrößte Stadt im Elsass. Das gut erhaltene architektonische Erbe aus sechsten Jahrhunderten zeigt sich mit seinen zahlreichen Fachwerkhäusern, Kanälen und dem mit Blumen geschmückten Stadtzentrum.
Vorbei am Martinsmünster, dem Adolphshaus und der ehemaligen Polizeiwache, dem Pfisterhaus, dem Haus zum Kragen und dem Museum Bartholdi, führte uns unser Weg zum Quai de la Poissonnerie mit dem Spitznamen „La Petite Venise“ (Klein-Venedig). Dort endete unsere Stadtführung und jeder hatte noch Zeit, auf eigene Faust zu erkunden.
Am Spätnachmittag machten wir uns dann zusammen mit unserem Busfahrer Dieter auf den Weg nach Weil am Rhein und bezogen dort unser Hotel, in dem wir für diese viertägige Reise zu Gast waren. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant.

Brücke im DreiländereckBrücke im Dreiländereck

Nach einem ausgiebigen Frühstück stand am nächsten Tag die Erkundung der Stadt Basel und ein Besuch des Klosters Mariastein auf dem Programm. Pünktlich (Kompliment an die Gruppe!) starteten wir in Richtung Basel – ein „Steinwurf“ von Weil am Rhein entfernt.
Basel ist eine Stadt am Rhein im Nordwesten der Schweiz, unweit der Grenzen zu Frankreich und Deutschland. Sie gilt als die Kulturhauptstadt der Schweiz und hat ca. 171 000 Einwohner.
In drei Gruppen eingeteilt erfuhren wir von unseren Stadtführern viel Wissenswertes über die Stadt und deren Persönlichkeiten. Basel war als Reformationsstadt eine Drehscheibe für die Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Durch die Papierindustrie, dem Buchdruck und die Verlage wurde die Stadt zum Anziehungspunkt der Humanisten. So kam auch der Theologe Erasmus von Rotterdam nach Basel, wo er von 1514 bis 1529 lebte. Er ließ seine Schriften in der Werkstatt seines späteren Freundes Johann Froben drucken. Als sich die von Johannes Oekolampad betriebene, an Zwingli angelegte, Reformation in Basel durchsetzte, ging Erasmus 1529 nach Freiburg im Breisgau. Im Jahr 1535 kehrte er nach Basel zurück und verstarb dort am 12. Juli 1536. Das hohe Ansehen, das er trotz seiner Ablehnung gegenüber der Reformation genoss, zeigte sich darin, dass er als katholischer Priester in einer Zeit heftiger, konfessioneller Auseinandersetzungen im mittlerweile protestantisch gewordenen Basler Münster beigesetzt wurde. Während Luther eine „harte Linie“ gegen das aus seiner Sicht dekadente Papsttum vertrat, setzte sich Erasmus für „innere Reformen“ der Kirche ein und bat Luther in einem Brief vom 30. Mai 1519 um Mäßigung. Auch Johannes Calvin, einer der einflussreichsten Theologen unter den Reformatoren des 16. Jahrhunderts, wurde von Erasmus beeinflusst.

Nach dem etwas ausführlicheren Bericht über das Leben des Erasmus von Rotterdam führte uns unsere Stadtführerin bei herrlichem Wetter durch das Imbergässlein herunter zum Marktplatz mit seinem imposanten roten Rathaus. Überwältigt von dem außergewöhnlichen Anblick dieses Bauwerkes ging unser Weg weiter hinauf zum Münsterplatz. Oben angekommen, zog das Basler Münster unsere Blicke in den Bann. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten und ein Wahrzeichen der Stadt. Das Münster prägt mit der roten Sandsteinausführung und den bunten Dachziegeln, seinen beiden schlanken Kirchtürmen und den sich kreuzweise durchdringenden Hauptdächern das Stadtbild. Die ehemalige Bischofskirche, heute evangelisch-reformiert, wurde zwischen 1019 und 1500 im romanischen und gotischen Stil erbaut.
Nach einem ausführlichen Rundgang durch das Kirchengebäude und einem herrlichen Blick über den Rhein, ging es zurück zum Treffpunkt der drei Besichtigungsgruppen. Anschließend hatten wir noch genügend Zeit, sodass jeder eine ausgiebige Mittagspause nach Belieben genießen konnte.

Blick vom Basler Münster auf den RheinBlick vom Basler Münster auf den Rhein

Voller Spannung ging es am Nachmittag mit dem Bus weiter nach Mariastein zum dortigen Benediktiner-Kloster. Mariastein liegt in der Gemeinde Metzerlen-Mariastein im Kanton Solothurn, ein paar hundert Meter vom Elsass entfernt. Der Wallfahrtsort und das Benediktinerkloster sind eingebettet in die offene Landschaft des Leimentals. Die Ursprünge Mariastein sind legendenumrankt: ein Kind, das in die Tiefe stürzte, wurde von der Gottesmutter Maria wunderbar gerettet. Ihr zu Ehren wurde eine Felsenhöhle zur Gebetsstätte hergerichtet, später wurde eine Pilgerkapelle erbaut. Schließlich verlegten in der Mitte des 17. Jahrhunderts die Benediktinermönche ihr Kloster von Beinwil nach Mariastein. Zum Kloster gehören auch die ehemalige Pilgerherberge „Klosterhotel Kreuz“ mit prächtigem Park und Kräutergarten, der Klosterladen „Pilger Laube“ und ein Landwirtschaftsbetrieb.
Dort angekommen, nahmen wir am Mittagsgebet der Mönche teil. Anschließend berichtete uns Pater Armin über die Geschichte des Klosters, das trotz vieler Widrigkeiten bis zum heutigen Tag eine Stätte des Glaubens und der Gemeinschaft geblieben ist. Der Pater erzählte auch vom Alltag im Kloster, über die Organisation der Tagesabläufe und über die Probleme des Nachwuchsmangels unter den Mönchen. Sehr beeindruckt hat uns die Aufgeschlossenheit, Freundlichkeit, Gelassenheit und das große Vertrauen auf Gott, mit dem Pater Armin seinen Weg geht. Auch unsere Fragen beantwortete er ausführlich und beeindruckend.
Bei einem Rundgang durch das Kloster bis hinab zur Gnadenkapelle, eingerichtet in besagter Höhle, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit einem gemeinsamen Vaterunser beendete Pater Armin die Führung. Wieder oben auf dem Kirchplatz angekommen, überreichte Matthias Vosseler noch einen kleinen „Dankeschöngruß“ an den Pater.
Ein kurzer Spaziergang an die nahe gelegene französische Grenze oberhalb des Klosters und ein Besuch im Klosterladen rundeten den Nachmittag ab. Überwältigt von den vielen Eindrücken des Tages, erreichten wir am späten Nachmittag wieder wohlbehalten unser Hotel in Weil am Rhein.

Gruppe im Kloster Mariastein mit Pater ArminGruppe im Kloster Mariastein mit Pater Armin

Am dritten Tag machten wir uns morgens bei trübem Regenwetter auf den Weg nach Bern. Gut gelaunt, mit einem Lied auf den Lippen, vergingen die etwa hundert Kilometer Fahrt wie im Flug. Vorbei am Berner Fußballstadion, in dem im Jahr 1954 bei der Fußball Weltmeisterschaft das „Wunder von Bern“ gelang, erreichten wir unseren Busausstieg unweit des Berner Münsters. Einziger Programmpunkt an diesem Tag: Eine Führung im Münster, danach freie Zeit zur eigenen Verfügung.
Das reformierte Berner Münster war im Spätmittelalter dem heiligen Vinzenz von Saragossa geweiht und ist die größte und wichtigste spätmittelalterliche Kirche der Schweiz. Es wurde im Stil der Gotik erbaut und gehört zu jenen gotischen Kirchen, die erst im 19. Jahrhundert nach Aufkommen des Historismus vollendet werden konnten. Der Chor des Münsters birgt einen aus dem 15. Jahrhundert stammenden Glasmalereizyklus.
Das Portal des Berner Münsters mit seinen 294 Sandsteinfiguren zum jüngsten Gericht ist weltbekannt. Unsere Kirchenführerin erklärte uns die Darstellung ausführlich und sehr emotional. Zum Abschluss der Führung bestand die Möglichkeit, den Turm über seine 344 Stufen zu besteigen, um die Stadt aus der Vogelperspektive zu betrachten.
Kaum eine andere Stadt hat ihre historischen Züge so bewahrt wie Bern, die Hauptstadt der Schweiz. Die Berner Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe und besitzt mit sechs Kilometern Arkaden, den sogenannten Lauben, eine der längsten, wettergeschützten Einkaufspromenaden Europas. Diese Eigenschaft der Stadt kam uns beim Wetter an diesem Tag sehr gelegen. Nichtsdestotrotz linste am Nachmittag für eine gewisse Zeit noch die Sonne zwischen den Wolken durch, sodass wir auch noch die zahlreichen Brunnen, Sandsteinfassaden, Gassen und historischen Türme bewundern konnten.
Am Abend, nach reibungsloser Rückfahrt, bestand noch die Möglichkeit, sich von den Kochkünsten der umliegenden Gastronomie unseres Hotels überzeugen zu lassen. Je nach Kondition fiel der eine oder andere früher oder später ins Hotelbett.

Am letzten Tag war zunächst Frühstück und Check Out angesagt. Wieder pünktlich und vollzählig saßen zum vereinbarten Zeitpunkt alle im Bus zur Abfahrt bereit. In Betberg, einem kleinen Dorf im Markgräflerland, war unsere Gruppe in der dortigen Kirche zum Gottesdienst angemeldet. Einige von uns kannten schon das Haus der Besinnung, das sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche befindet. Zusammen mit der Betberger Gemeinde durften wir in der vollbesetzten kleinen Kirche Gottesdienst feiern. Pfarrer Dr. Dirk Kellner nahm uns in seiner Predigt mit hinein in Matthäus 15, 21 - 28. Er überschrieb seine Predigt mit den Worten „Ent-täuscht glauben. Was tun, wenn Gott schweigt?“.
Nach einem kurzen Gedankenaustausch im Anschluss an den Gottesdienst fuhren wir weiter nach Breisach. Eine kleine Stadt am Oberrhein gelegen, in direkter Nachbarschaft zum Elsass. Breisach liegt in einer der wärmsten Regionen Deutschlands. Die badischen Weinbaugebiete Kaiserstuhl und Tuniberg sind nur wenige Kilometer entfernt. Nach Freiburg und Colmar sind es jeweils nur etwa 25 Kilometer. Hoch über der Stadt thront das Sankt Stephanus Münster. Gisela und Günter Wörne, Teilnehmer unserer Reise, sind in Breisach aufgewachsen und haben hier geheiratet. So konnte uns Herr Wörne schon während der Anfahrt einiges Wissenswertes über Breisach berichten. Recht herzlichen Dank dafür!
Nach dem Mittagessen und der Gelegenheit zu einem kleinen Spaziergang oder einem Besuch der Eisdiele, traten wir die Heimfahrt an. Wohlbehalten und dankbar für die gemeinsamen und wunderbaren Tage erreichten wir wieder unsere Landeshauptstadt.

Wir danken Gott unserem Herrn für diese wunderbaren Tage bei größtenteils herrlichem Wetter in froher Gemeinschaft und für die Bewahrung auf allen unseren wegen. Herzlichen Dank an Matthias Vosseler für die perfekte Reiseleitung und die erklärenden und informativen Worte durch das Busmikrofon.
Cornelia Götz, Robert Fischer und Uwe Prestin! Herzlichen Dank für alles Organisieren!
Herzlichen Dank an unseren Busfahrer Dieter Müller von der Firma Eisemann für die sichere und umsichtige Fahrt und die unkomplizierte Umsetzung unserer Wünsche!
Herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die ihr (Sie) durch eure (Ihre) Teilnahme zum Gelingen des Gemeinschaftserlebnisses beigetragen habt. An unsere beiden Geburtstagskinder, die durch ihre Getränke- und Süßigkeitenspenden zu unser aller Wohlbefinden beigetragen haben, ebenfalls ein herzliches Dankeschön!

 Gruppe vor dem Gottesdienst in Buggingen-BetbergGruppe vor dem Gottesdienst in Buggingen-Betberg

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